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St. Martinus Talheim

Die katholische Kirchengemeinde Obertalheim war ursprünglich Filiale von Unterwaldach, dann von Altheim. Seit 1819 wurde sie als Filiale von Untertalheim geführt. Am 01. Januar 2015 haben sich die beiden Kirchengemeinden Untertalheim und Obertalheim zur Kirchengemeinde Hl. Geist Talheim zusammengeschlossen.

Am Sonntag, dem 4. November 1979 wurde die neue Kirche von Weihbischof Dr. Anton Herre, assistiert vom Gemeindepfarrer Alois Mähr und den Diakonen Franz Müller und Herbert Schuler, nach 2-jähriger Bauzeit dem Heiligen Martinus geweiht.

Da diese neue Kirche auch auf dem Platz der früheren Holzfachwerk-Kirche errichtet werden sollte, wurde die 1902 erbaute und 1953 erweiterte Notkirche, 1976 abgebrochen.

Vom 14. Febr. 1976 bis zum 22. Dez. 1978 fanden die Gottesdienste in der dafür umgebauten Schulbühne mit dem Altar, dem Tabernakel, verschiedenen Heiligenfiguren und dem Gestühl der alten Kirche statt. Für die vorhandenen Kirchenglocken wurde hierfür eigens ein Glockenträger neben dem Schulgebäude gebaut.

Die erste Messe in der neuen Kirche konnte dann bereits am Heiligabend 1978 gefeiert werden.

Die Genehmigung zum Neubau wurde am 02.06.1975 durch das Bischöfliche Bauamt erteilt. Die Leitung der Bauausführung hatte Architekt Schilling aus Rottenburg, die Idee zur Form und die Entwürfe der Kirche stammen von Architekt Fuchs aus Tübingen.

Kirchenführer

Dieser Kirchenführer begleitet den Leser entlang des Kirchgangs zur Messe oder einer Wort-Gottes-Feier an die liturgischen Orte der Kirch. In aller Kürze werden diese oder die liturgischen Gegenstände in Korrespondenz zum Geschehen während der Liturgie erschlossen. Bewusst wird hier auf historische Daten zum Kirchbau und zu Ereignissen seit Bestehen dieser Kirche verzichtet.

Er wurde von Michael Walz, Margret Schäfer-Krebs und Eugen Blank mit viel Liebe und Zeitaufwand zum 40 jährigen Kirchweihjubiläum 2019 erstellt und liegt seitdem in gedruckter Form in der Kirche aus.

Die Orgel

In der ehemaligen Obertalheimer Martinuskirche befand sich eine einmanualige Orgel mit kleinem Pedal. Vor dem Abbruch der alten Kirche wurde diese Orgel ausgebaut und in der Schulbühne eingelagert. Sie hatte folgende Register:

 

Im Pedal

  • Subbass 16´
  • Oktavbass 8´

Im Manual

  • Bleigedeckt 8´
  • Salizional 8´
  • Principal 8´
  • Flöte 4´
  • Oktavin 2´
  • Quinte 2 2/3

 

Es war vorgesehen, diese Orgel auch in der neuen Kirche wieder einzubauen. Als der Rohbau stand, befasste sich der Obertalheimer Kirchengemeinderat mit dem geplanten Wiedereinbau der vorhandenen Orgel in die neue Kirche. Dabei stellte sich heraus, dass die alte Orgel weder von ihren Ausmaßen, noch von der Innenarchitektur des neuen Kirchenraumes in die Kirche passte. Der damalige für Obertalheim zuständige Orgelsachverständige aus Rottenburg, KMD Prof. Bernhard Ader, wurde nach Obertalheim eingeladen. Er sollte den Kirchengemeinderat beraten. Die Inspektion der eingelagerten Orgel zeigte ein düsteres Bild und Prof. Ader schlug vor, dass verschiedene Orgelbaufirmen um ein Urteil und einen Vorschlag gebeten werden sollen mit dem Ziel einer eventuellen Wiederverwertbarkeit von Pfeifenmaterial in einer neuen Orgel und um ein verbindliches Angebot für eine neue Orgel. So wurden im Frühjahr 1978 fünf Orgelbaufirmen angeschrieben, vier davon waren bereit auf die Obertalheimer Wünsche einzugehen.

 

Der Orgelneubau

 

Die Sichtung der vorhandenen Pfeifen viel noch schlechter aus, als ursprünglich schon befürchtet. Die Pfeifen der einzelnen Register waren nicht für einen einheitlichen Windruck gebaut, sondern stammten offensichtlich aus mehreren alten Orgeln. Zusätzlich wurden in der Vergangenheit, um die Lautstärke der Orgel zu erhöhen, die Labien weiter aufgeschnitten. Ein Rückbau würde das Einsetzen neuer Labien in jeder Pfeife nach sich ziehen, was mit hohen Kosten verbunden wäre. Zusätzlich stellte sich heraus, dass in den Holzpfeifen zum Teil der Holzwurm saß, die Windladen aus verschiedenem Holz waren und keinen einheitlichen Winddruck besaßen. Alle Orgelbaufirmen konstatierten, dass sich die Verwendung der alten Orgelpfeifen in einem neuen Werk nicht rentierten, ja durch den Umbau höhere Kosten entstehen würden, als für eine neue Orgel zumal letztendlich nicht alle Register Verwendung finden könnten.

 

So entschied sich der Kirchengemeinderat im Sommer 1978 für den Neubau und die Ausschreibung einer Orgel. Prof. Ader erstellte dazu einen Dispositionsvorschlag mit der Bitte an die Orgelbaufirmen eventuell eigene Vorschläge zusätzlich zu unterbreiten. Die Ausschreibung erfolgte am 11. August 1978. Bis zum Eintreffen der Angebote besuchte der Kirchengemeinderat in der näheren Umgebung neu erbaute Orgeln derjenigen Firmen, die zur Abgabe eines Angebots eingeladen wurden, um sich über Ausführung, Qualität und Klang der Werke zu informieren. Es waren schwere Entscheidungen zu treffen. Die Pfarrer und die Organisten gaben uns wertvolle Hinweise zu den Orgelbaufirmen und deren ausgeführten Werke.

Die heutige Orgel

 

Am 8. Mai 1970 erteilte der Kirchengemeinderat der Orgelbaufirma Christoph Enzenhofer aus Bludesch / Vorarlberg den Auftrag zum Orgelneubau. Dieser umfasste alle Register der Ausschreibung. Zusätzlich sollte geprüft werden, ob die Zungenregister Bombarde 16´, Regal 16´, Trompete 8´ und Schalmai 8´ in dem durch die Architektur der Kirche vorgegeben beengten Raum untergebracht werden können.

 

Enzenhofer fertigte ein maßstabgerechtes Modell und detaillierte Werkzeichnungen an. Dabei stellte sich heraus, dass die erwünschten Zungenregister eingebaut werden können. So kam es zur heutigen Disposition und Aufteilung der Orgel in drei Werke: Pedalwerk, Hauptwerk und schwellbares Rückpositiv. Die Orgel erhielt folgende Register:

 

Pedalwerk

  • Subbass 16`(als Prospekt auf der Rückseite gebaut)
  • Oktavbass 8`
  • Gedackt 8´
  • Choralbass 4´
  • Pedalmixtur 2´
  • Bombarde 16´ (als Prospekt des Pedalwerks ausgeführt)

Hauptwerk

  • Prinzipal 8´(Prospekt Hauptwerk)
  • Gedackt 8´
  • Oktav 4´
  • Rohrflöte 4´
  • Quinte 2 2/3
  • Oktav 2´
  • Mixtur 4fach 1 1/3´
  • Regal 16´
  • Trompete 8´

Rückpositiv (schwellbar)

  • Rohrgedackt 8´
  • Weidenflöte 8´ ab C0
  • Prinzipal 4´(Prospekt)
  • Koppelflöte 4´
  • Nasat 2 2/3´
  • Terz 1 3/5´
  • Zimbel 3fach 2/3´
  • Schalmei 8´
  • Tremulant

Koppeln

  •  II - I, II-P, I-P

Traktur

 Voll mechanische Spiel- und Registertraktur. Windladenausführung als Schleifladen.

Gehäuse

 

Eiche voll massiv. Behandelt mit Lichtschutzlack innen und außen.

Von der ersten Planung bis zur Orgelweihe am Kirchenpatrozinium 11. November 1984 vergingen sechs Jahre. Mitte 1980 begann die Orgelbaufirma mit dem eigentlichen Bau der Orgel in ihrer Werkstatt in Bludesch. Der Baufortschritt wurde immer wieder durch Diakon Schuler in Augenschein genommen. Leider wurde durch eine schwere, einjährige Erkrankung des Orgelbauers, die Arbeit stark verzögert und unterbrochen. Im Sommer 1982 besuchte der gesamte Kirchengemeinderat den Orgelbauer in Bludesch und informierte sich über den Stand des Orgelbaus. Im Oktober 1982 erfolgte die komplette Anlieferung der Orgel und deren Einbau in der Obertalheimer Kirche, Windladen- und Gehäuseaufstellung, Einbau der Pfeifen und erste Stimmung, voraus ging eine erste Vorstimmung in der Orgelwerkstatt. Die akustische Situation in der Kirche stellte den Orgelbauer bei der Intonation vor erhebliche Schwierigkeiten. Bei dieser Arbeit erkrankte Christoph Enzenhofer zum zweiten Mal so schwer, dass er sein Werk nicht mehr vollenden konnte.

In Abstimmung mit dem Bischöflichen Ordinariat und dem Orgelsachverständigen KMD Prof. Bernhard Ader wurde der Orgelbaufirma Eduard Wiedenmann aus Oberessendorf der Auftrag zur Fertigstellung der Orgel erteilt. Im Herbst 1984 führte Eduard Wiedenmann die Generalstimmung und Intonation aus, so dass die Orgelweihe am Sonntag, 11. November 1984 durch Msgr. Reinhold Melber aus Rottenburg vorgenommen werden konnte. Wiedenmann betreut seither die Orgel im Rahmen eines Stimm- und Pflegervertrags zur vollsten Zufriedenheit der Kirchengemeinde.

Die Qualität der Orgel

 Im Abnahmebericht vom 25.1.85 Nr. A 427 des Bischöflichen Ordinariats schreibt der Gutachter:

 „... Zum Bau der Orgel wurden ausschließlich hochwertige Materialien verwandt. Die Verarbeitung darf als beispielhaft gelten und ist, insbesondere der Schreinerischen Arbeit, von so hervorragender Qualität, wie sie im Orgelbau kaum je anzutreffen ist. Gleiches muss auch zur technischen Anlage gesagt werden. Aufgrund einer durchdachten Konstruktion und einer äußerst präzisen Anlage der Trakturen ergibt sich eine sehr sensible, leichte und gleichmäßige Spielart.

Beste Materialien und Verarbeitung finden sich auch im Pfeifenwerk - beste Voraussetzung für eine gute Klanggebung und Intonation.  Die Intonation, teils von Enzenhofer, teils von Wiedenmann durchgeführt, darf als gelungen bezeichnet werden...

Alles in allem: Der Kirchengemeinde St. Martinus in Obertalheim steht nunmehr ein technisch hervorragendes und musikalisch außerordentlich vielseitiges Instrument zur Verfügung. Ihr gebührt der Glückwunsch zu dem gelungenen Werk, ebenso aber auch den Orgelbauern zur meisterhaften Leistung...“ soweit das Urteil des Bischöflichen Ordinariats.

Die Orgelweihe

 Am 11. November 1984 erteilte Msgr. Reinhold Melber, Rottenburg, der Orgel die feierliche Weihe. Die Weihepräfation preist die Orgel folgendermaßen:

 „ Du Orgel, heiligem Dienst geweihtes Instrument, du verkündest die Herrlichkeit und Größe, die Weisheit und die Macht unseres Gottes. Du gibst Kunde von seiner Güte, Barmherzigkeit und Liebe, du besingst die Großtaten der Erlösung.

Du Orgel, heiligem Dienst geweihtes Instrument, du stimmst ein in das Lob des ewigen Vaters und rühmst unseren Herrn Jesus Christus. Du rufst den Heiligen Geist an, der über Himmel und Erde ausgegossen ist.

Du Orgel, heiligem Dienst geweihtes Instrument, du besingst das Lob der Jungfrau Maria, unserer Königin und Mutter. Du stimmst in das Loblied der Engel und Heiligen im Himmel ein, du besingst die Eintracht unter den Menschen.

Du Orgel, heiligem Dienst geweihtes Instrument, du erfüllst dieses Gotteshaus mit Freude, Jubel und Glanz zum Lobe Gottes. Dein Klingen preist die Hoheit, die Macht, die Ehre und Güte des dreifaltigen und ewigen Gottes.“

Damit werden die Größe und die liturgische Aufgabe der Orgel eindrucksvoll beschrieben. Die Orgel ertönte nach der Weihe zum ersten Mal im Gottesdienst in ihrer ganzen Fülle. Die Festmesse wurde vom Obertalheimer Kirchenchor, verstärkt durch Mitglieder des Männergesangvereins Frohsinn Obertalheim und an der Orgel durch KMD Prof. Bernhard Ader gestaltet. Im Anschluss an den Gottesdienst stand Prof. Ader den Kirchenbesuchern zu Fragen zur Verfügung. Anhand verschiedener Registrierungen erläuterte er das Klangvolumen und die Klangschattierungen der Orgel.

Der Orgelweihetag klang in einer kirchenmusikalischen Feierstunde am Abend des Weihetages aus. Sie wurde gestaltet durch KMD Prof. Bernhard Ader an der Orgel und dem wiederum verstärkten Obertalheimer Kirchenchor unter Leitung seines Dirigenten Elmar Weber.

Die Obertalheimer Orgelkonzerte

Bereits am Einweihungstag wurde das Instrument von Fachleuten gelobt und anerkannt. Einige zeigten Interesse, auf der Obertalheimer St. Martinus-Orgel zu konzertieren. So ist es nicht verwunderlich, dass bereits einen Monat nach der Orgelweihe das erste Orgelkonzert stattfand.

Am 18. Dezember 1984 konzertierten Franz-Ferdinand Walser, Orgel und Birgit Scher, Sopran.

Am 17. März 1985 folgte ein Orgelkonzert mit Andreas Wagner, Stuttgart

Am 15. Februar 1987 konzertierte Joachim Kist, Stuttgart an der Orgel.

Am 8. Mai 1987 fand ein eindrucksvolles Konzert für Trompete und Orgel statt. Es spielte Josef Angele, Stuttgart, Trompete und KMD Josef Fleschhut aus Rottenburg.

Am 29. November 1987 gestalteten fünf junge Musiker aus Stuttgart eine besinnliche Musik zum Advent. Es waren dies Susanne Wagner (Blockflöte, Sopran und Orgel), Martina Wagner (Sopran und Spinett), Christoph Wagner (Oboe und Spinett), Ester Koberstein (Violine) und Johannes Harms (Fagott). Zwischen den Musikstücken wurden Texte aus der Heiligen Schrift vorgelesen.

Im März 1989 erlebte Obertalheim eine eindrucksvolle Gestaltung seines Gottesdienstes durch den Singkreis „capella vallensis e.V.“ aus Wiesensteig, der auch am späten Nachmittag Passionsmusik zu Gehör brachte. Der Chor steht unter Leitung von Peter Skobowski. Solisten waren Barbara Weber und Peter Skobowski, Orgel, sowie Susanne Scheiring, Ulrich Skobowski, Werner Hölz und Josef Schubert, Gesang.

Am 29. März 1992 konzertierten Beate Bredenbach ( Violine) und Ingo Bredenbach (Orgel) aus Nagold mit Werken von J.S. Bach, Hans Studer, S. Karg-alert und Jan Janka in der Obertalheimer Kirche.

In der Folgezeit konzertierten namhafte Organisten in Obertalheim. Zuletzt am 28. März 1993 die Konzertorganistin Erszebet Achim aus Budapest.

Am 18. Dezember 1993 gastierte die Christophorus-Kantorei Altensteig mit einem Weihnachtssingen in der Kirche. Dieser Chor besteht aus 55 Jungen und Mädchen verschiedenen Alters.

Auf dem Programm des Weihnachtssingen der Christophorus-Kantorei stand adventliche und weihnachtliche Chorwerke von M. Frank, C. Freundt, J. Eccard, M. Reger, H. Schütz, J.P. Sweelingk und anderen Meistern. Das A-cappella-Programm wurde mit Orgelbeiträgen bereichert werden.

Leider ließen der Besucherstrom und die Einnahmen aus den Konzerten so sehr nach. Der Kirchengemeinderat Obertalheim konnte wegen der angespannten Finanzlage keine Geldmittel mehr für Konzerte in den Haushaltsplan einstellen. Bleibt zu hoffen, dass sich dieser Umstand auch einmal wieder ändert und sich die bereits begonnene Konzerttradition in Obertalheim fortsetzen lässt.

Aber nicht nur in Konzerten, sondern auch im Gottesdienst hat sich das Instrument in der Zwischenzeit bewährt

Manche Orgelmesse wurde vom Kirchenchor gestaltet. Auch bei den werktäglichen Abendgottesdiensten erklang die Orgel. So war es möglich, das Liedgut des Gotteslobes unter der Regie des damaligen Organisten Elmar Weber unters Volk zu bringen.

Nun sind vierundzwanzig Jahre seit der Orgelweihe vergangen. Die jährliche Inspektion und Stimmung der Orgel durch Orgelbaumeister Eduard Wiedenmann zeigt die Qualität des Instruments. So musste bis heute keine Reparatur vorgenommen werden.

Möge dieses schöne Instrument auch weiterhin zum Lobe und zum Ruhm und zur Ehre Gottes erklingen.

Herbert Schuler